aus der Sicht von Bezirksinspektor i. R. Johann Froschauer, verfasst im Mai 1994
Ich bin im Juni 1951 in die damalige Gendarmerieschule Linz-Ebelsberg eingerückt. Im Laufe eines Gesprächs erzählte ich dem Zimmerkollegen Franz Pfeil, dass ich Flügelhorn spiele. Er erwiderte, er spiele Ziehharmonika und wir vereinbarten, bei nächster Gelegenheit die Instrumente mitzunehmen.
Nach drei Wochen durften wird das erste mal heimfahren und nahmen dann unsere Instrumente mit. Bald konnten wir einige Lieder miteinander spielen. Da unsere musikalische Tätigkeit nicht zu überhören war, kamen einige Kollegen in unser Zimmer und erklärten, dass auch sie ein Instrument spielen könnten aber kein eigenes hätten. Herbert Huemer nahm bald ein Flügelhorn mit. Nun musizierten wir beide fast täglich abends in der Kantine zur Unterhaltung der Kollegen bekannte Lieder und Arien für zwei Flügelhörner. Im August 1951 rückte Franz Petscher in die Gendarmerieschule Ebelsberg ein. Auch er spielte Flügelhorn. Im Laufe der Zeit nahmen immer mehr Kollegen Instrumente mit und man konnte bald verschiedene Instrumententöne hören. Franz Petscher nahm sich der Musikkameraden an und hatte bald eine kleine spielfähige Gruppe beisammen. Der damalige Ausbildner Bezirksinspektor Steinbrecher war sehr musikbegeistert und hat Musikinstrumente organisiert. Es wurde immer intensiver geprobt und bald war eine ca. 25 Mann starke Kapelle vorhanden. Der erste Stabführer war Franz Gründl und Kapellmeister wurde Franz Petscher. Die erste öffentliche Ausrückung fand Anfang November 1951 anlässlich des 50. Geburtstages des damaligen Landesgendarmeriekommandanten Oberst Dr. Mayr statt. Oberst Dr. Mayr war von diesem Ständchen sehr überrascht, da es in Oberösterreich doch offiziell keine Gendarmeriemusik gab. Der Landesgendarmeriekommandant wollte, dass diese Musikkapelle unbedingt erhalten bleibt und sagte uns seine volle Unterstützung zu. Wir musizierten also eifrig weiter und die Musiker wurden immer mehr. Im Jänner oder Februar 1952 fand die Verabschiedung des verstorbenen Revierinspektor Pflügl in Ebelsberg statt. Dies war die erste Begräbnisausrückung der jungen Gendarmeriemusik. Im Sommer 1952 übernahm dann Revierinspektor Josef Aigner die Stabführung. Aigner war es auch, der den allseits bekannten Komponisten und Kapellmeister Emil Rameis als musikalischen Leiter gewinnen konnte. Von dort an ging es rasch aufwärts. Ich getraue mir fast zu sagen: Hätte ich damals mein Flügelhorn nicht mitgenommen, wer weiß, ob es heute in Oberösterreich eine Gendarmeriemusik gäbe.