Emil Rameis - Kapellmeister ab 1952 - Lehrer am Brucknerkonservatorium, Komponist und begeisterter Militärmusiker

Kpm Emil Rameis in Uniform


Emil Rameis wurde am 28. April 1904 in Pinsdorf im Aurachtal als Sohn eines Fahrdienstleiters geboren, lernte Flöte und hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als 1918 als Musikeleve einrücken zu können. Schon als 11 - Jähriger spielte er bei der Stabs- und Bürgerkorpskapelle Vöcklabruck mit. Bedingt durch die Verhältnisse nach dem ersten Weltkrieg, musste Emil Rameis bis 1923 warten, ehe er als Militärmusiker in die Linzer Fabrikskaserne einziehen durfte, wo er in Max Dornberger nicht nur einen bekannten und beliebten Militärkapellmeister, sondern auch einen ausgezeichneten Lehrmeister fand. Dornberger erkannte die Begabung des jungen Flötisten und ließ ihn des Öfteren eine Probe abhalten. Dabei zeigte sich, dass ihm das Dirigieren ebenso im Blut lag, wie die Militärmusik, von der er schon als Bub geträumt hatte. Nach der gestatteten maximalen Dienstzeit von sechs Jahren war der Traum zu Ende und Rameis wurde 1929 Mitglied des Linzer Landestheaterorchesters und wäre es wohl bis zu seiner Pensionierung geblieben, wenn nicht neuerlich der Ruf an den Militärmusiker ergangen wäre. Nur zu gerne nahm Emil Rameis 1952 das Angebot an, Kapellmeister der im wahrsten Sinne des Wortes jungen Gendarmeriemusik zu werden. (Emil Rameis leitete zwar die Gendarmeriemusik schon ab Sommer 1952, wurde aber erst Ende 1954 als Vertragsbediensteter in den Dienststand der Gendarmerie übernommen.)


Emil Rameis beim Theorieuntericht am Bruckner Konservatorium Linz (1959)

Das erste öffentliche Platzkonzert, das am 16. Mai 1953 vor dem Landhaus in Linz abgehalten wurde, gestaltete sich zu einem überwältigenden Erfolg. Die Begeisterung für die Kapelle, der damals die Aufgaben einer österreichischen Militärmusik zukamen, ist heute vor allem für die Jugend beinahe unvorstellbar. In dem Titel des Marsches „Tapfer und Treu“ den Emil Rameis für seine Kapelle komponiert und den er dem oö. Landesgendarmeriekommando gewidmet hat, manifestierte sich damals mehr als nur der Wahlspruch des österreichischen Gendarmeriekorps: das Bekenntnis zu einem freien Österreich.

Die Impulse, die Rameis der Blasmusik in Oberösterreich gab, sind gar nicht abzuschätzen. Vermutlich liegt seine größte Bedeutung in seiner Lehrtätigkeit. Immerhin war er von 1945 bis 1960 als Flötenlehrer am Linzer Brucknerkonservatorium tätig, unterrichtete Harmonielehre in Steyr und hielt im Rahmen des Bundes der Blasmusik, dessen Landeskapellmeister er einige Jahre gewesen war, Theoriekurse für Blasmusiker von Landkapellen ab.

Emil Rameis, dieser begeisterte Militärmusik- Kapellmeister war alles andere als ein Militarist. Dem widersprach schon seine äußere Erscheinung, sein unübersehbarer ziviler Habitus. Und dennoch, ein aufmerksamer Beobachter musste immer wieder aufs Neue staunen über die Verwandlung, die mit ihm vorging, wenn er als Kapellmeister vor sein Orchester trat. Der „Zivilist“ wurde geradezu ruckartig abgestreift, die ganze Gestalt straffte sich, wurde militärisch in Haltung und Gebärde und entfaltete beim Dirigieren ein Musiker und Publikum mitreißendes Temperament, das ihn um viele Jahre jünger erscheinen ließ.

Festkonzert 10 Jahre Gendarmeriemusik, 1961

Bei seiner Versetzung in den dauernden Ruhestand wurde er zum Ehrenkapellmeister der Gendarmeriemusik auf Lebenszeit ernannt. Doch weder diese Freude, noch das „Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“, mit dem er 1970 geehrt wurde, konnte Emil Rameis darüber hinwegtrösten, dass er Pensionist geworden war, der einzige Beruf in seinem arbeitsreichen Leben, auf den er sich nicht genügend vorbereitet hatte. Nachdem die Gendarmeriemusik mit dem Lied „Ich hatte einen Kameraden“ Abschied von ihrem langjährigen Kapellmeister genommen hatte und sich die Trauergäste trennten, war wohl keiner, der über alle fachlichen Meinungsverschiedenheiten hinweg nicht zugegeben hätte, in Emil Rameis einen liebenswürdigen, gütigen Menschen verloren zu haben.

 

Emil Rameis als Big-Band-Leiter
   
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